Chinas E-Auto-Boom droht am eigenen Überfluss zu scheitern

Noch vor wenigen Jahren galt China als unangefochtenes Eldorado der Elektromobilität. Staatliche Subventionen, ambitionierte Klimaziele und ein riesiger Binnenmarkt haben eine nie dagewesene Dynamik entfacht. Hunderte Hersteller, von Start-ups bis zu Traditionskonzernen, überschwemmten den Markt mit immer neuen Modellen. Doch was einst als Zukunftsversprechen gefeiert wurde, zeigt inzwischen auch seine Schattenseiten: Eine massive Überkapazität droht den gesamten Sektor ins Wanken zu bringen.

Tatsächlich rollen in China mittlerweile mehr Elektroautos von den Bändern, als der Markt aufnehmen kann. Fabriken sind auf Höchstleistung ausgelegt, während die Nachfrage nicht mehr im gleichen Tempo wächst. Das Ergebnis sind übervolle Parkplätze, auf denen zehntausende Neuwagen monatelang stehen, ohne einen Käufer zu finden. Manche dieser Fahrzeuge landen direkt nach der Produktion auf sogenannten „Halteflächen“ – riesigen Abstellplätzen, die sinnbildlich für die Schieflage einer Branche stehen, die sich im Übermut selbst überholt hat.

Die Lage ist dramatisch. Analysten sprechen von einer unausweichlichen Marktbereinigung. Schon jetzt kämpfen viele kleinere Hersteller ums Überleben, da sie weder mit den sinkenden Preisen der Marktführer noch mit den hohen Investitionen in Batterietechnologie mithalten können. Gleichzeitig erhöht der Preiskrieg zwischen Giganten wie BYD und Tesla den Druck weiter. Für die Konsumenten mag das kurzfristig attraktiv sein – für die Industrie ist es brandgefährlich.

Ökonomen warnen vor einer Kettenreaktion: Übervolle Lagerbestände, sinkende Margen, drohende Werksschließungen. Was eigentlich als Erfolgsstory des grünen Wandels gedacht war, droht zur wirtschaftlichen Hypothek zu werden. Selbst die chinesische Regierung hat inzwischen erkannt, dass ein ungebremstes Wachstum ins Leere führt. Regulierung und Konsolidierung sollen nun Ordnung schaffen – doch ob das reicht, ist ungewiss.

Folgen weit über China hinaus
Die Überkapazitäten bleiben nicht auf China beschränkt. Um die heimischen Halden zu leeren, drängen chinesische Hersteller zunehmend auf internationale Märkte – und das mit aggressiven Preisen. Für Europa bedeutet das eine Flut an günstigen E-Autos, die die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Produzenten massiv unter Druck setzt. Deutsche Autobauer, ohnehin in der Aufholjagd beim Thema Elektromobilität, stehen vor einem doppelten Problem: einerseits der verschärfte Konkurrenzkampf durch billige Importe, andererseits die Gefahr, bei Schlüsseltechnologien wie Batteriezellen den Anschluss zu verlieren.

In den USA wächst die Sorge, dass der Markt mit subventionierten E-Autos aus China überschwemmt wird. Handelskonflikte sind damit vorprogrammiert. Schon jetzt diskutieren Regierungen über Strafzölle, um die heimische Industrie zu schützen – ein Vorgehen, das das globale Wachstum im E-Auto-Sektor weiter bremsen könnte.

So zeigt sich: Chinas Überproduktion ist nicht nur ein nationales Problem, sondern ein globales Stresstest-Szenario. Die Balance zwischen Innovation, fairer Konkurrenz und nachhaltigem Wachstum wird entscheidend dafür sein, ob die Elektromobilität weltweit zu einer Erfolgsgeschichte wird – oder in einen ruinösen Wettlauf nach unten abgleitet.

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