Strom- & Ladeanbieter: Marktstruktur und Herausforderungen
- Die Preise für das öffentliche Laden sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen — weder die Absenkung der allgemeinen Strompreise noch gesunkene Börsekosten haben sich bislang flächendeckend an den Ladesäulen bemerkbar gemacht.
- Eine Analyse der ene’t GmbH zeigt, dass in manchen Regionen derselbe Ladepunkt deutlich teurer sein kann als wenige Meter weiter — Preisunterschiede von bis zu 42 Cent pro kWh sind keine Ausnahme.
- Für E-Autofahrer ist das Laden unterwegs oft um ein Vielfaches teurer als das Laden zu Hause — öffentliche Wechselstrom-Ladestationen (AC) starten typischerweise bei etwa 0,50 € je kWh, Gleichstrom / Schnellladung (DC) bei 0,60 € oder mehr je kWh.
- Im Schnellladebereich (HPC / DC mit hoher Leistung) wurden für 2024 durchschnittliche Preise von 0,87 € pro kWh ermittelt.
- Die politische Regulierung wird intensiver: Ab 1. Januar 2025 sind Stromversorger verpflichtet, zeitvariable Stromtarife anzubieten (etwa Nachtstrom, Spitzenzeiten), was insbesondere bei Heimladungen mit intelligenter Steuerung (Smart Charging, Vehicle-to-Grid) relevant wird.
Vor diesem Hintergrund versuchen Ladeanbieter, mit Abo- und Flatrate-Modellen neue Anreize zu schaffen und Abhängigkeiten zu Kunden zu etablieren.
Auswahl wichtiger Ladeanbieter, Tarifmodelle und Preise
Im Folgenden eine Übersicht ausgewählter Anbieter mit ihren aktuellen Modellen (sofern öffentlich bekannt):
| Anbieter | Tarifmodell / Abo-Optionen | Preis(n) / Kostenstruktur | Bemerkungen / Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| IONITY | • Abonnement (monatlich oder jährlich) • “IONITY Go” / Direct ohne Abo | • Direkt (ohne Abo): 0,39 €/kWh (im IONITY-Netz) • Abo („Power 365“ u. a.): Jahresgebühr + Rabattpreise • Ohne Abo / Ad-hoc: oft 0,70–0,75 €/kWh in einigen Regionen | • Die Abonnements senken den Kilowattstundenpreis, lohnen sich ab einer gewissen Nutzung. • Preisanpassung angekündigt: ab 7. November 2025 Erhöhung der Jahresgebühren von 50 auf 60 € (Motion 365) bzw. 100 auf 120 € (Power 365) |
| E.ON Drive / E.ON (Comfort-Tarif) | Klassische Ladepreise, kombiniert mit Roaming über Partnernetze | • AC (Normalladen): ≈ 0,49 €/kWh • DC (Schnellladung): ≈ 0,55 €/kWh • Roaming (Außennetz): AC 0,53 €/kWh, DC 0,71 €/kWh | • Preise inkl. MwSt. angegeben • Für das Laden zu Hause gilt der jeweilige Haushaltsstromtarif (durchschnittlich etwa 0,35 €/kWh) |
| Maingau Energie | Kein klassisches Abo (Stand: bekannte Tarife) | • AC bis 22 kW: 0,59 €/kWh (Stammkunden: 0,49 €/kWh) • DC: 0,69 €/kWh (Stammkunden: 0,59 €/kWh) | • Rabatte bei Bestandskunden möglich |
| Haupt- / Stadtwerke (Beispiele) | Meist Ad-hoc Tarife, oft mit Ladekarte oder App | • Stadtwerke München: AC 0,49 €/kWh, DC 0,69 €/kWh • Stadtwerke Düsseldorf: AC 0,53 €/kWh (mit Ladekarte: 0,47 €/kWh), DC 0,69 €/kWh (mit Ladekarte: 0,59 €/kWh); Grundgebühr 3 €/Monat fällig (bei Kartennutzung) • Stadtwerke Dresden (Drewag / Sachsenenergie): 0,50 €/kWh (AC & DC) | • Die Preise sind oft lokal unterschiedlich und hängen stark von der Infrastruktur und dem Betreibermodell ab |
| Weitere / Spezialanbieter | |||
| IONITY-Alternativen, Elli, BMW Charging, etc. | – Elli gibt an, Zugang zu 800.000+ Ladepunkten mit transparenten Preisen, Plug & Charge und IONITY-Paketen – BMW Charging listet Preise ab 0,45 €/kWh mit optionalem „IONITY Plus“-Paket bei Premium-Partnern |
Bewertung: Vor- & Nachteile der Abo-/Flatrate-Modelle
Vorteile:
- Planbarkeit und Transparenz
Abos mit monatlicher oder jährlicher Gebühr und festem Kilowattstundenpreis schaffen eine Kalkulationssicherheit, besonders auf Langstrecken oder bei regelmäßiger Nutzung. - Preisvorteile bei hoher Nutzung
Wer häufig lädt, kann mit Abos deutlich unter Ad-hoc-Preisen landen — schon nach wenigen Ladevorgängen rechnet sich oft das Abo. (Beispiel: IONITY – Einsparung bei nur zwei Ladevorgängen pro Monat) - Kundenbindung & Markenschutz
Anbieter sichern sich durch Abos Kunden, die eher im eigenen Netz bleiben. Das stärkt die Position gegenüber Wettbewerbern im Roaming-Segment.
Nachteile / Risiken:
- Fixkosten vs Auslastung
Bei seltener Nutzung können die Grundgebühren höher sein als die Ersparnis gegenüber Ad-hoc-Tarifen. - Vertragsbindung & Preisänderungen
Viele Abonnements verlängern sich automatisch (sofern nicht explizit gekündigt). Beispiel: Ionity hebt ab 7. November 2025 seine Jahresgebühren an. - Unterschiedliche Konditionen je Region / Netz
Manche Abos gelten nur für bestimmte Ladepunkte oder Netze; Roaming-Ladestationen können trotz Abo teurer sein oder gar ausgeschlossen. - Komplexe Preisstrukturen & Zusatzkosten
Viele Anbieter legen Blockiergebühren, Mindestkosten pro Ladevorgang, Zuschläge für Roaming oder Zuschläge bei hoher Ladeleistung (HPC) fest. - Fehlende Dynamik bei Strompreisschwankungen
Wenn tatsächlich variable Strompreise möglich wären (z. B. Ladezeiten je nach Netzlast), könnten starre Abo-Preise nicht optimal auf reale Stromkosten reagieren.
Ausblick & Trends
- Anbieter werden zunehmend hybride Modelle anbieten: Kombination aus Grundgebühr + variabler kWh-Komponente + Boni bei häufiger Nutzung.
- Intelligente Ladesteuerung (Smart Charging) und Rückspeisung ins Netz (Vehicle-to-Grid, V2G) werden relevanter. In Deutschland soll ab 2025 die gesetzliche Verpflichtung greifen, zeitvariable Tarife anzubieten, was auch Ladeanbieter unter Druck setzt.
- Der Ausbau des Ladeinfrastrukturnetzes (öffentliche Ladesäulen) schreitet voran: In Europa stieg 2024 die Anzahl der öffentlichen Ladepunkte um über 35 % im Vergleich zum Vorjahr.
- Konkurrenzdruck und Regulierung könnten die Preise mittelfristig senken — mehr Transparenz wird eingefordert, insbesondere bei Roamingkosten und Verrechnung von Zusatzgebühren.
- Anbieter von Hausstrom mit Öko-Komponenten integrieren zunehmend Ladeoptionen in ihre Tarife, um Ganzstromlösungen (Haushalt + Mobilität) anzubieten.
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