Flexibilität oder Kostenfalle?
Volkswagen geht mit seinem ID.3 neue Wege. Neben klassischen Kauf- oder Leasingangeboten setzt der Konzern zunehmend auf digitale Zusatzdienste im Abo. Besonders interessant – und zugleich kontrovers – ist das Angebot, die Motorleistung (PS) per Software-Freischaltung hinzuzubuchen.
So funktioniert das Leistungs-Abo
Beim ID.3 sind bestimmte Leistungsstufen nicht mehr allein durch den Motor selbst definiert, sondern durch Software. Käuferinnen und Käufer können beispielsweise die Leistung ihres Fahrzeugs gegen Aufpreis temporär erhöhen – ohne mechanische Änderungen.
Das bedeutet: Wer mehr PS möchte, muss nicht gleich ein neues Modell kaufen, sondern kann diese Zusatz-Power für einen Monat, ein Jahr oder dauerhaft freischalten lassen. Die Abwicklung erfolgt in der Regel digital über die VW-App oder den hauseigenen Online-Shop.
Vorteile für die Kundschaft
- Flexibilität: Leistung dann, wenn sie gebraucht wird – etwa für Urlaubsfahrten mit Anhänger oder für Vielfahrer.
- Geringere Einstiegskosten: Man kauft zunächst die Basisversion und kann später upgraden.
- Technologischer Fortschritt: Das Fahrzeug wird zunehmend zu einer „Plattform“, die per Update angepasst werden kann.
Kritikpunkte und offene Fragen
So modern die Idee klingt, so viele kritische Aspekte bleiben:
- Kostenfalle durch Dauer-Abos: Was zunächst nach Freiheit klingt, kann sich schnell summieren. Wer dauerhaft mehr Leistung will, zahlt langfristig deutlich mehr, als wenn die PS ab Werk gekauft worden wären.
- Besitz oder Miete? Viele Kundinnen und Kunden fragen sich: Kaufe ich überhaupt noch ein Auto – oder nur eine temporäre Nutzungslizenz?
- Wert des Fahrzeugs: Ein ID.3 mit „abonnierter“ Leistung lässt sich schwerer einschätzen, wenn er später verkauft oder weitergegeben wird.
- Prinzipielle Akzeptanz: Nicht jeder möchte für etwas zahlen, das technisch bereits verbaut ist, aber künstlich durch Software gesperrt wird.
Fazit: Innovation mit Beigeschmack
Das Leistungs-Abo beim VW ID.3 zeigt, wohin die Reise der Automobilindustrie geht: weg vom reinen Besitz, hin zu flexiblen, digitalen Geschäftsmodellen. Für Technik-Fans und Flexibilitäts-Liebhaber mag das attraktiv sein. Doch der fade Beigeschmack bleibt: Kundinnen und Kunden zahlen künftig nicht nur für Hard-, sondern vor allem für Software – und riskieren, dass das Auto zur Dauer-Kostenquelle wird.
Die zentrale Frage lautet also: Macht die gewonnene Flexibilität den ständigen Aufpreis wirklich wett – oder verwandeln Hersteller das Auto so in ein Smartphone auf Rädern, das nur gegen Abo seine vollen Funktionen entfaltet?
